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Das Buch Daniel (8)

Das Buch Daniel (8)

Information! Der Widder und der Ziegenbock: Verse 1.2, Verse 3.4, Verse 5-7, Vers 8, Verse 9.10, Verse 11-12, Verse 13.14, Verse 15-18, Vers 19, Verse 20-22, Vers 25, Verse 26.27

Die ersten sieben Kapitel des Buches Daniel haben sich hauptsächlich mit den heidnischen Mächten befasst, sei es, wie sie der menschlichen Sicht erscheinen, oder wie Gott sie sieht. Von Kapitel 8 bis zum Ende des Buches betreffen die Visionen und Deutungen auf ganz besondere Weise die Juden; es werden viele Einzelheiten erwähnt, die für die heidnischen Mächte von geringem Interesse, wenn nicht gar bedeutungslos wären. Dies mag der Grund dafür sein, dass der Geist Gottes von Daniel 2,4 bis zum Ende von Daniel 7 den aramäischen Dialekt verwendet hat, da dieser Teil des Buches die Nationen direkter angeht. In Daniel 8 wechselt der Geist Gottes wieder zur hebräischen Sprache zurück, die dann bis zum Ende des Buches verwendet wird, da dieser Teil der Prophezeiung besonders die Juden angeht. In Daniel 8 haben wir die Aufzeichnung von Daniels Vision von dem Widder und dem Ziegenbock (V. 1-14) und die Deutung der Vision (V. 15-27).

Wir haben gesehen, dass das zweite und dritte Weltreich in der Statue durch die Brust und die Arme aus Silber und den Bauch und die Lenden aus Kupfer prophetisch dargestellt wurden, wodurch ihr imposanter Charakter in den Augen der Menschen beschrieben wurde. Dann kommen sie in Daniel 7 wieder vor uns, durch wilde Tiere symbolisiert — den Bär und den Panther —, um ihre moralischen Eigenschaften in den Augen Gottes zu beschreiben. Nun ziehen in Daniel 8 das zweite und dritte Weltreich wieder an uns vorüber, diesmal in der Form zweier Nutztiere — des Widders und des Ziegenbocks —, um ihre Geschichte in Bezug auf die Menschen zu beschreiben. Dass diese Symbole das persische und das griechische Weltreich darstellen, ist keine Frage der Mutmaßung, sondern der Offenbarung, nach der Deutung, die Gabriel in Vers 20 und 21 gibt.

Da diese Weltreiche vergangen sind, könnte die Frage aufkommen: Welchem Nutzen können diese Einzelheiten dienen? Bei der Beantwortung dieser Frage muss man zwei Dinge berücksichtigen. Erstens: Diese Weltreiche hatten in den Tagen ihrer Macht mit Gottes Volk zu tun, und alles, was sein Volk betrifft, berührt seine Herrlichkeit und ist von tiefer und bleibender Bedeutung. Zweitens müssen wir daran denken, dass, wenngleich diesen Weltreichen ihre Herrschaft weggenommen wurde, ihnen doch Lebensdauer gegeben wurde bis auf Zeit und Stunde (Kap. 7,12). Also werden bis zum Ende der Zeiten der Nationen weiterhin Völker existieren, die diese einst mächtigen Weltreiche repräsentieren, und zur Zeit des Endes werden sich diese Völker wieder in Gegnerschaft zu dem Volk Gottes — den Juden — befinden. Das ist es, was den Einzelheiten aus Daniel 8 solche Bedeutung verleiht. Hier wird prophetisch die Geschichte dieser beiden Weltreiche in den Tagen ihrer Macht und ihre Beziehung zu dem Volk Gottes geschildert — Prophezeiungen, die bereits erfüllt worden sind. Gleichzeitig schattet ihre vergangene Geschichte ihre Gegnerschaft zu dem Volk Gottes in der Endzeit voraus.

Wenn wir diese Schriftstellen lesen, wollen wir, wie jemand gesagt hat, an folgenden beiden Gedanken festhalten, „dass Christus das Ziel und der Zweck/das Ende aller Ratschlüsse Gottes ist und dass die Juden die Gegenstände seiner Ratschlüsse hier auf Erden sind“. Es ist wahr, dass Gottes irdisches Volk zusammengebrochen und unter der Strafe Gottes zerstreut und nicht länger öffentlich als sein Volk anerkannt ist. Dennoch sind sie noch immer das Volk, das um der Väter willen geliebt ist, und wenn die Zeit ihrer gerichtlichen Blindheit vorbei ist, werden sie wieder in ihr Land zurückgeführt und auch wieder in Segen eingesetzt werden. „Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“ (Röm 11,29). Außerdem, wenn die immerwährende Liebe Gottes immer noch Israel gilt, so sind auch seine Augen immer noch auf dem Land und auf dem Tempel. Das Land mag verwüstet und von den Füßen der Heiden zertrampelt sein, aber es ist noch immer „ein Land, auf das der Herr, dein Gott, acht hat und die Augen des Herrn, deines Gottes, immerdar sehen vom Anfang des Jahres bis an sein Ende“ (5Mo 11,12).

Wiederum empfing Salomon das Wort: „Ich habe dies Haus geheiligt, das du gebaut hast, dass ich meinen Namen dort wohnen lasse ewiglich, und meine Augen und mein Herz sollen da sein allezeit“ (1Kön 9,3). Wenn wir uns diese Gedanken vor Augen halten, können wir verstehen, dass alles, was Gottes irdisches Volk betrifft, sei es in der Vergangenheit oder in der Zukunft, von tiefster Wichtigkeit für Gott ist, denn in diesem und durch dieses Volk wird sich schließlich die Herrlichkeit Christi auf Erden durchsetzen und werden die Ratschlüsse Gottes zum Segen aller Völker verwirklicht werden.

Durch seine Sünde und sein Versagen ist das irdische Volk Gottes unter den Zorn und die Strafe Gottes gekommen, wodurch es der Knechtschaft unter die Nationen verfallen ist. Dennoch steht Gott der Misshandlung seines Volkes durch diejenigen, die Gottes Strafe zum Anlass genommen haben, sich selbst zu erhöhen und Gottes Volk zu verfolgen, nicht gleichgültig gegenüber.

Die Prophetie Daniels zeigt, wie auch andere Schriftstellen, deutlich, dass in der Endzeit die Gegnerschaft gegen Gott und die Verfolgung seines Volkes eine dreifache Form annehmen wird. Erstens wird es die Verfolgung geben, die von dem wiederbelebten Oberhaupt das Römischen Reiches herrührt, die uns durch das Symbol des kleinen Horns aus Kapitel 7 vor Augen geführt wird (s. Dan 7,21.25; Off 13,1-10). Zweitens wird es die Verfolgung gegen die Juden, wenn sie wieder in ihrem Land sind, geben, die von ihrem nördlichen Feind herrührt, wie in dem kleinen Horn aus Kapitel 8 dargestellt. Drittens wird es die Verfolgung durch den Antichristen in ihrer Mitte geben, die uns in Daniel 11,36-39 vor Augen geführt wird (s. auch Off 13,11-18). Die zweite Form der Verfolgung von Gottes irdischem Volk wird uns nun in Daniel 8 vorgestellt, also die Verfolgung, die von dem assyrischen König, oder auch dem König des Nordens, wie er von so vielen der Propheten genannt wird, herrührt.

(a) Die Vision von dem Widder und dem Ziegenbock (Dan 1-14)

Dan 8,1.2: 1 Im dritten Jahr der Regierung des Königs Belsazar erschien mir, Daniel, ein Gesicht, nach demjenigen, das mir im Anfang erschienen war. 2 Und ich sah im Gesicht: Und es geschah, als ich sah, da war ich in der Burg Susan, die in der Landschaft Elam ist; und ich sah im Gesicht, und ich war am Fluss Ulai.

Diese neue Vision erschien Daniel im dritten Jahr von König Belsazars Herrschaft. Die Zeit des ersten Weltreiches befand sich drei Jahre vor ihrem Ende. Im Palast Susa in der Provinz Elam stand Daniel in seiner Vision am Fluss Ulai.

Dan 8,3.4: 3 Und ich erhob meine Augen und sah: Und siehe, vor dem Fluss stand ein Widder, der zwei Hörner hatte; und die zwei Hörner waren hoch, und das eine war höher als das andere, und das höhere stieg zuletzt empor. 4 Ich sah den Widder nach Westen und nach Norden und nach Süden stoßen, und kein Tier konnte vor ihm bestehen, und niemand rettete aus seiner Hand; und er handelte nach seinem Gutdünken und wurde groß.

Er sah einen Widder mit zwei Hörnern, von denen das eine höher war es das andere und das höhere nach dem andern erschienen war. Dieser ist, wie wir aus Vers 20 wissen, ein Symbol für das medo-persische Weltreich, wobei die zwei Hörner den dualen Charakter des Reiches repräsentieren. Die Tatsache, dass ein Horn höher ist als das andere, stellt prophetisch dar, dass ein Teil des Weltreichs die Vorherrschaft über das andere gewinnen würde und dass diese dominierende Macht später aufkommen würde. Dies ist, wie wir wissen, genau das, was passiert ist. Darius der Meder, der die Macht Babylons niederwarf, wurde abgelöst durch Cyrus den Perser, der rasch eine Vormachtstellung im persischen Reich gewann. Die siegreiche Laufbahn von Cyrus sowie die Richtungen seiner Eroberungszüge werden dadurch vorhergesagt, dass der Widder nach Westen und nach Norden und nach Süden vorstößt. Keine Macht konnte ihm Widerstand leisten oder sich seinem Willen entgegenstellen.

Dan 8,5-7: 5 Und während ich Acht gab, siehe, da kam ein Ziegenbock von Westen her über die ganze Erde, und er berührte die Erde nicht; und der Bock hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen. 6 Und er kam bis zu dem Widder mit den zwei Hörnern, den ich vor dem Fluss hatte stehen sehen; und er rannte ihn an im Grimm seiner Kraft. 7 Und ich sah, wie er zu dem Widder gelangte. Und er erbitterte sich gegen ihn, und er stieß den Widder und zerbrach seine beiden Hörner; und in dem Widder war keine Kraft, um vor ihm zu bestehen. Und er warf ihn zu Boden und zertrat ihn, und niemand rettete den Widder aus seiner Hand.

Während Daniel diesen Widder betrachtete, sah er einen Ziegenbock von Westen her kommen, der sich mit solcher Geschwindigkeit vorwärtsbewegte, dass er den Boden nicht zu berühren schien. Zwischen seinen Augen hatte der Ziegenbock ein ansehnliches Horn. Dieser zottige Ziegenbock ist, wie wir aus Vers 21 wissen, ein Symbol für das griechische Königreich, und das große Horn ist ein Symbol für den ersten König. In wenigen und eindrucksvollen Worten beschreibt diese Passage den Werdegang Alexanders des Großen.

Der Ziegenbock greift den Widder mit solch überwältigender Gewalt an, dass der Widder keine Kraft hat, dem Angriff zu widerstehen. Der Widder wird niedergeworfen und schonungslos zertreten, und niemand kann ihn retten. Dieses Symbol stellt anschaulich die Geschwindigkeit und Grausamkeit von Alexanders Eroberungen dar, durch die das persische Weltreich niedergeschlagen wurde und als Weltmacht zu seinem Ende kam, wobei das griechische Weltreich an seine Stelle trat.

Dan 8,8: Und der Ziegenbock wurde über die Maßen groß. Und als er stark geworden war, zerbrach das große Horn, und vier ansehnliche Hörner wuchsen an seiner statt nach den vier Winden des Himmels hin.

Weiter sah Daniel in der Vision, dass der Ziegenbock sehr groß wurde, aber auf dem Gipfel seiner Macht zerbrach das große Horn, und an seiner Stelle wuchsen vier ansehnliche Hörner nach den vier Winden des Himmels hin. Wieder ist es unmöglich, in diesem Bild nicht genau das zu sehen, was sich tatsächlich in der Geschichte ereignete: Alexanders kurze, aber siegreiche Laufbahn wurde inmitten seiner Triumphe beendet, und schließlich wurde das Weltreich in vier Königreiche aufgeteilt: Syrien, Ägypten, Griechenland und Thrakien.

Dan 8,9.10: 9 Und aus dem einen von ihnen kam ein kleines Horn hervor; und es wurde ausnehmend groß gegen Süden und gegen Osten und gegen die Zierde. 10 Und es wurde groß bis zum Heer des Himmels, und es warf vom Heer und von den Sternen zur Erde nieder und zertrat sie.

Aus einem dieser vier Hörner kam ein kleines Horn hervor. Offensichtlich stellt dieses kleine Horn einen König dar, der sich im Norden erhebt, denn er betreibt seine Eroberungen nach Süden, nach Osten und nach dem herrlichen Land hin.

Dieses kleine Horn darf nicht mit dem kleinen Horn aus Daniel 7 verwechselt werden. Der Ausdruck „kleines Horn“ mag darauf hindeuten, dass der so symbolisierte Mensch aus der Masse aufsteht und abgesehen von seinem Genie völlig unbedeutend wäre. Das kleine Horn aus Daniel 7 ist offensichtlich das Oberhaupt des wiederbelebten Römischen Reiches, während das kleine Horn aus Daniel 8 ein Symbol für den König des Nordens ist, der der Gegenstand vieler Prophezeiungen ist und eine solch führende Rolle in Verbindung mit Gottes irdischem Volk in der Endzeit spielen wird. Zweifellos beschäftigen sich die Vision und die Deutung aus diesem Grund hauptsächlich mit diesem kleinen Horn.

Es wird helfen, zu beachten, dass der Teil der Vision bis zum Ende von Vers 8 bereits erfüllt ist. In Vers 9 gehen wir über zu dem Teil der Vision, dessen Erfüllung noch in der Zukunft liegt. In der Zeit des Endes (V. 17) wird es ein Volk nördlich von Palästina geben, das das dann wieder in seinem Land versammelte jüdische Volk angreifen wird. Das „Heer des Himmels“ scheint ein Symbol für das Volk Gottes zu sein — diejenigen, die die Herrschaft des Himmels anerkennen. Die „Sterne“ stellen wie in anderen Schriftstellen diejenigen dar, die eine Stellung unter Gott untergeordneter Autorität in seinem Volk innehaben (s. Off 1,20; 2,1; 3,1). Diese nördliche Macht wird eine Zeitlang das „herrliche Land“ überrennen und diejenigen, die in Gottes Volk Autorität haben, niederwerfen dürfen.

Dan 8,11.12: 11 (Auch bis zum Fürsten des Heeres tat er groß; und er nahm ihm das beständige Opfer weg, und die Stätte seines Heiligtums wurde niedergeworfen. 12 Und eine Zeit der Mühsal wurde dem beständigen Opfer auferlegt, um des Frevels willen.) Und es warf die Wahrheit zu Boden und handelte und hatte Gelingen.

Hier spricht der Prophet noch genauer von dem Oberhaupt dieser nördlichen Macht, denn er sagt nicht mehr „es“ (das Horn/die Macht), sondern „er“ (ein Mensch). Dieser Mensch wird sich gegen Christus, den Fürsten des Heeres, erheben und Ihm das tägliche Opfer wegnehmen. Er wird Gott sein Opfer wegnehmen und sein Heiligtum zerstören. Der erste Halbsatz von Vers 12 sollte lauten: „Eine Zeit der Prüfung wurde dem regelmäßigen Opfer bestimmt aufgrund der Übertretung“ (nach der Übersetzung von J. N. Darby [*]) Das scheint zu bedeuten, dass das kleine Horn aufgrund der Übertretung von Gottes Volk das Opfer wegnehmen darf. Dann zeigt die Vision, dass „es“, also das Horn, die nördliche Macht, die Wahrheit zu Boden werfen wird und eine Zeitlang gedeihen und große Dinge vollbringen darf.

Dan 8,13.14: 13 Und ich hörte einen Heiligen reden; und ein Heiliger sprach zu jenem, der redete: Bis wann geht das Gesicht vom beständigen Opfer und vom verwüstenden Frevel, dass sowohl das Heiligtum als auch das Heer zur Zertretung hingegeben ist? 14 Und er sprach zu mir: Bis zu 2.300 Abenden und Morgen; dann wird das Heiligtum gerechtfertigt werden.

An diesem Punkt in der Vision hört Daniel einen Heiligen zu einem anderen sprechen und fragen, wie lange dieser Zustand, von dem die Vision spricht, andauern dürfe. An Daniel gerichtet lautet die Antwort, dass das Heiligtum und das Heer 2300 Tage lang bzw. beinahe 6½ Jahre lang zur Zertretung preisgegeben sein würden.

(b) Die Deutung (V. 15-27)

Dan 8,15-18: 15 Und es geschah, als ich, Daniel, das Gesicht sah, da suchte ich Verständnis darüber; und siehe, da stand etwas vor mir wie die Gestalt eines Mannes. 16 Und ich hörte eine Menschenstimme zwischen den Ufern des Ulai, die rief und sprach: Gabriel, gib diesem das Gesicht zu verstehen! 17 Und er trat an den Ort, wo ich stand; und als er herzutrat, erschrak ich und fiel nieder auf mein Angesicht. Und er sprach zu mir: Hör zu, Menschensohn, denn das Gesicht ist für die Zeit des Endes! 18 Und als er mit mir redete, sank ich betäubt auf mein Angesicht zur Erde. Er aber rührte mich an und stellte mich auf meinen früheren Standort.

In den folgenden Versen tut der Engel Gabriel Daniel die Bedeutung dieser Visionen kund. Wie gewohnt fügt die Deutung weitere Einzelheiten zu der Vision hinzu. Zuerst erfährt Daniel definitiv, dass die Vision sich auf die Zeit des Endes bezieht. Daniel, den die Vision von dem, was seinem Volk in späteren Zeiten widerfahren wird, überwältigt, wird gestärkt, um der Wahrheit ins Angesicht zu sehen.

Dan 8,19: Und er sprach: Siehe, ich will dir kundtun, was in der letzten Zeit des Zorns geschehen wird; denn es geht auf die bestimmte Zeit des Endes.

Er erfährt, dass die Vision von den Ereignissen spricht, die den „Zorn“ beenden werden, und gleichgültig, welches Leid dem Volk zwischenzeitlich widerfahren mag — es wird ein genau festgelegtes Ende haben: „Zur festgesetzten Zeit wird das Ende sein.“ [In der englischen Übersetzung lautet Vers 19: „Und er sagte: Siehe, ich will dich wissen lassen, was am Ende der Verärgerung sein wird; denn zur festgesetzten Zeit wird das Ende sein“ (Anm. d. Üb.).] Der Begriff „Zorn“ ist in der Prophetie ein wohlbekannter Ausdruck, der die Zeit beschreibt, während der Gottes Zorn gegen sein Volk aufgrund dessen Götzendienstes erweckt ist (s. Jes 5,25; 9,18; 10,5.25). [Das Wort „Zorn“ wird in den angegebenen Stellen auch als „Grimm“ / „Ungnade“ / „Verfluchung“ übersetzt, auf englisch indignation = „Verärgerung, Unwille, Empörung„Zorn“ (Anm. d. Üb.).]

Dan 8,20-22: 20 Der Widder mit den zwei Hörnern, den du gesehen hast, das sind die Könige von Medien und Persien. 21 Und der zottige Ziegenbock ist der König von Griechenland; und das große Horn, das zwischen seinen Augen war, ist der erste König. 22 Und dass es zerbrach und vier an seiner statt aufkamen: Vier Königreiche werden aus dieser Nation aufstehen, aber nicht mit seiner Macht.

Dann folgt das eindeutige Beziehen der Vision auf das zweite und dritte Weltreich — Persien und Griechenland — und die Zerteilung des griechischen Weltreiches in vier Königreiche.

Dan 8,23.24: 23 Und am Ende ihres Königtums, wenn die Frevler das Maß voll gemacht haben werden, wird ein König aufstehen mit frechem Angesicht und ränkekundig. 24 Und seine Macht wird stark sein, aber nicht durch seine eigene Macht; und er wird erstaunliches Verderben anrichten und Gelingen haben und handeln; und er wird Starke und das Volk der Heiligen verderben.

Weitere Einzelheiten werden nun in Bezug auf das kleine Horn kundgetan. Er wird ein Mensch sein, der sich durch Unverfrorenheit und das Wissen um okkulte Geheimnisse auszeichnet. Seine Taten werden groß sein, doch nicht aus eigener Macht heraus. Anscheinend wird er die Unterstützung irgendeiner anderen Macht genießen und selbst ein Werkzeug fremder Politik sein. Er wird die Gottesfürchtigen dieser Tage angreifen und vernichten, die Heiligen Gottes — „die Starken und das heilige Volk“.

Dan 8,25: Und durch seine Klugheit wird der Trug in seiner Hand gelingen; und er wird in seinem Herzen großtun und unversehens viele verderben. Und gegen den Fürsten der Fürsten wird er sich auflehnen, aber ohne Menschenhand zerschmettert werden.

Anscheinend wird sein Triumph über das Volk Gottes nicht durch Waffengewalt, sondern durch Betrug gelingen, und seine Politik wird scheinbar den Frieden sichern durch die Korrumpierung vieler aus dem bekennenden Volk Gottes. In seiner Dreistigkeit wird er sich gegen den Fürst der Fürsten auflehnen. Diese Herausforderung Christi wird sein Verderben sein. Christus wird diesen Übeltäter „ohne Hand“, beziehungsweise ohne menschliches Zutun, vernichten.

Dan 8,26.27: 26 Und das Gesicht von den Abenden und von den Morgen, wovon gesprochen worden ist, ist Wahrheit; und du, verschließe das Gesicht, denn es sind noch viele Tage bis dahin. 27 Und ich, Daniel, war erschöpft und war einige Tage krank. Dann stand ich auf und verrichtete die Geschäfte des Königs. Und ich war entsetzt über das Gesicht, und niemand verstand es.

Daniel wird gesagt, dass die Vision wahr ist, aber dass es noch viele Tage bis zu ihrer Erfüllung sind. Es ist möglich, dass die zukünftigen Handlungen dieses Königs des Nordens in der Geschichte des abscheulichen Antiochus Epiphanes vorgeschattet worden sind, der in seinen Tagen das Volk Gottes durch List und Korruption angriff, den Tempel entweihte und das Gesetz außer Kraft setzte. Dennoch müssen wir für die endgültige Erfüllung der Prophezeiung nach den Worten Gabriels noch auf die Zeit des Endes warten.

Die Wirkung dieser Visionen auf Daniel war solcher Art, dass er erschöpft war und einige Tage krank lag. Trotz der Deutung schien niemand außer Daniel die Vision zu verstehen.

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1 Comment

  1. Sebastian 02.04.2012 at 16:25

    Lesenswerter Artikel! Ich werde da nochmal versuchen mehr zu erfahren!

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